Vorab ein herzliches Dankeschön an Prof. Dr. Stephan Alexander Böhm und Christoph Breier, M.A., für die Zusendung der Studie „Auswirkungen der Digitalisierung auf die Gesundheit von Berufstätigen: Eine bevölkerungsrepräsentative Studie in der Bundesrepublik Deutschland(Böhm, Bourovoi, Brzykcy, Kreissner & Breier, 2016), welche von Wissenschaftlern des Centers for Disability and Integration der Universität St. Gallen (CDI-HSG) durchgeführt wurde.

Die Digitale Revolution rückt unaufhaltsam voran und prägt Wirtschaft, Gesellschaft und Politik. Automatisierung und Digitalisierung bestimmen heute unseren Alltag. Unser Kommunikationsverhalten verändert sich, Ort und Grenzen verschmelzen und unserer Arbeitswelt wird in mehrfacher Weise davon durch und durch durchdrungen. Welche Auswirkungen und Einflüsse die wachsende Vernetzung der Arbeitswelten auf die Gesundheit der Beschäftigten hat, wurde in der oben genannten Studie im Auftrag von der Barmer GEK erfasst.

Keine Berufsgruppe und Altersgruppe bleibt analog

Die Forschungsergebnisse von Böhm et al. (2016) zeigen klar, dass die Digitalisierung im hohen Ausmaß der Erwerbsbevölkerung stetig präsent ist, wobei sich ihre Schlagkraft weder als per se positiv noch negativ für die Beschäftigten ausmachen lässt. Die Untersuchung nach Berufsgruppen und Branchen zeigen jedoch durchwegs Unterschiede, was den Digitalisierungsgrad betrifft. Zur Messung des Digitalisierungsgrads haben Böhm et al. (2016) einen Index definiert, welcher Arbeits- und Wissensinhalte von Tätigkeiten in Zeiten der Digitalisierung darstellt. An der Spitze beim sog. Digitalisierungsranking finden sich Informatik-, Informations- und Kommunikationstechnologieberufe, für welche ein Digitalisierungsindex von 62% evaluiert wurde. Personen dieser Berufsgruppe sind am stärksten mit dem Digitalen Wandel konfrontiert. Schlusslicht sind Reinigungsberufe mit einem Digitalisierungsindex von 37%. In diesem Kontext kommen Böhm et al. (2016) zur Schlussfolgerung, dass Berufe, welche sich vor allem aus technisch-routinisierbaren Tätigkeiten zusammensetzten, einen höheren Digitalisierungswert aufweisen als Berufe die viele manuelle Aspekte umfassen. Interessante Erkenntnisse zeigt die Analyse der Befragten nach Altersgruppen. Hier scheint es keine signifikanten Differenzen beim Digitalisierungsindex und Digitalisierungsoptimismus zwischen älteren und jüngeren Berufstätigen zu geben. Hauptsächlich Führungskräfte und jüngere Berufstätige nehmen laut Studie vermehrt den Digitalisierungsdruck war. Wobei die Angst vor Arbeitsplatzverlust durch Technik und Digitalisierung mit zunehmendem Alter abnimmt.

Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps?

Wenig verwunderlich: Die steigende Digitalisierung der Arbeitswelt und die permanente berufliche Erreichbarkeit können sich negativ auf das Privatleben und auf die Gesundheit der Beschäftigten auswirken. Die Wissenschaftler der Universität St. Gallen fanden heraus: 18% aller Konflikte zwischen Arbeit und Familie hängen mit der Digitalisierung zusammen. Die Mehrbelastung durch die Digitalisierung geht mit einer Reihe von gesundheitlichen Herausforderungen einher: Einschlafschwierigkeiten, Kopf- und Rückenschmerzen und emotionale Erschöpfung. Insbesondere lässt die Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) für Arbeitszwecke in den Mußestunden, die Grenze zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmen.

Ein Ticket zum digitalen Burn-out?

Eine große Erkenntnis der Studie ist eigentlich wenig überraschend: 23% der Befragten fühlen sich emotional erschöpft. Hier finden Böhm et al. (2016) signifikante Zusammenhänge zum Digitalisierungsgrad des Arbeitsplatzes: die Schwere der emotionalen Erschöpfung (Burn-out) sei bis zu 15% auf den Grad der Digitalisierung im Arbeitskontext zurückzuführen. Wobei Facetten wie Kommunikationsrauschen und technologischer Anpassungsdruck am stärksten mit emotionaler Erschöpfung assoziiert werden.

Digitale Balance

Anhand der Daten kamen Böhm et al. (2016) zu einer klaren Erkenntnis: Stressreduktion fängt in einem selbst an. Förderliche Verhaltensweisen und Rahmenbedingungen, um den Herausforderungen der Digitalisierung entgegenzuwirken sind: Verzicht auf IKT für Arbeitszwecke in der Freizeit, emotionale Abgrenzung von der Arbeit und regelmäßiger Sport können emotionaler Erschöpfung vorbeugen und zudem die Arbeitsfähigkeit erhöhen. Des Weiteren geben flexible Arbeitszeiten und Arbeitsorte und ein gutes Verhältnis zur Führungskraft mehr Sicherheit im Umgang mit der Digitalisierung und helfen unerwünschte Begleiterscheinung der Digitalisierung im Griff zu behalten. Anzumerken ist jedoch: Böhm et al. (2016) fanden keinen Zusammenhang zu der Anzahl der Krankentagen und dem Digitalisierungsgrad des Arbeitsplatzes.

Die Digitale Revolution ist noch nicht zu Ende!

Zusammenfassend lässt sich feststellen: kaum ein Bereich der Arbeitswelt bleibt von der Digitalisierung unberührt. Die Digitalisierung ermöglicht nicht nur vielfältige neue Formen der Kommunikation und erhöht unseren Lebenskomfort, der gesunde Umgang hiermit und ein gutes Selbstmanagement scheinen große Herausforderungen für Beschäftigten zu sein. Work-Life-Balance wird zum zentralen Leitwort der Digitalisierung. Das Augenmerk richtet sich in diesem Kontext auf die betriebliche Gesundheitsförderung als wesentliches Instrument im Management des digitalen Wandels. Firmen können mehr tun, um Beschäftigte im Rahmen der zunehmenden Digitalisierung der Arbeitswelt zu fördern und ihnen dabei helfen eine gesunde Digitale Balance zu finden. Dabei müssen klassische Konzepte von der betrieblichen Gesundheitsförderung neu gedacht werden.

In diesem Sinne: schalten Sie Ihre Arbeitsmedien über Weihnachten aus und genießen Sie die Feiertage. Für Ihr Vertrauen und Ihre regelmäßigen Besuche bedanken wir uns herzlich und wünschen Ihnen und Ihrer Familie frohe Weihnachten und einen guten Rutsch. Nutzen Sie die bevorstehenden Feiertage zum Entspannen und zur Erholung vom beruflichen Alltag.

 

Ihr Profondo Reply Team

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